Pferdefotografie - wie lichte ich mein Pferd gut a

Zurück

Fotos von Frau J. Schott

Weiter


Tierfotografie: Wie fotografiere ich mein Pferd?

Manchmal ist es einfach wie verhext – entweder es guckt doof; steht doof oder ist nur halb drauf… ich glaub JEDER hat solche Fotos von seinem Pferd! Gegen das „Doofgucken“ ist noch kein Kraut gewachsen, allem Anderen kann man auf die Sprünge helfen.

Ich hab hier ein kleines „Merkblatt“ zusammengestellt, das helfen soll, das Pferd „ins rechte Licht zu rücken“.

Schon einige kleine aber wirkungsvolle Tipps wirken sozusagen „Wunder“.


Die Perspektive beim Fotografieren:

Wenn ich ein Pferd fotografiere, dann darf ich eines nicht - nämlich STEHEN. Wenn ich z. B. 1,80 m groß bin und möchte ein Shettlandpony ablichten, dann ist mein Blickpunkt von oben auf das Pferd drauf…. das Pferd auf dem Bild wird auf alle Fälle unproportional.

Man sollte bei Pferden immer mit der Kamera auf Bauchhöhe (Brust) des Pferdes sein (also ab in die Hocke oder auf den Boden).


Perspektive im Stehen  Perspektive in der Hocke 



NICHT ZU NAH DRAN. Auch dadurch wirkt das Pferd sehr schnell schief und unproportional. Besser ist – weiter weg und ranzoomen (aber lieber nur über den optischen und nicht über den digitalen Zoom - bei Kompaktkameras). Beim Zoomen darauf achten, das das Pferd das Bild schön ausfüllt (aber immer einen bissel Luft am Rand lassen, damit es nicht ins Bild gequetscht wird).

Die Schärfe sollte immer auf dem Auge des Pferdes liegen (Messpunkt).


Die FEINHEITEN:

Das Drumherum….

Das schönste Pferd kann einfach auf einem Foto nicht richtig gut aussehen, wenn das Drumherum nicht stimmt!!!
Guckt euch vorm Fotografieren um – wo stelle ich das Pferd hin… es sieht natürlich nicht gut aus, wenn im Hintergrund ein Misthaufen, oder viel Gerümpel ist. Auch viel Zaun oder Gebäude in schrillen Farben etc. werden den Blick vom Pferd in den Hintergrund lenken…
Schön ist ein natürlicher oder sehr ruhiger Hintergrund (Wald, Wiese, Feld oder eine hübsche Wand, Torbogen, Gestein….) Einfach nur der Himmel ist nicht wirklich gut geeignet, denn oftmals wird der auf Bildern nicht so blau, wie er aussieht.
Das macht wirklich viel aus, denn dadurch kann das Pferd auf dem Bild „wirken“.




Unruhiger Hintergrund:  Ruhiger Hintergrund: 


Das Pferd an sich…

Wenn man das Pferd präsentieren möchte sollte das Pferd vor dem Fotografieren natürlich sauber sein (am besten gewaschen – wenn´s geht). Die Kamera sieht alles – und es ist hinterher super ärgerlich, wenn man dann wirklich eine Dreckkruste am Bauch des Pferdes hat oder ein unsauberes Auge… da kann man sich beim Fotografieren noch so viel Mühe geben….

Außerdem haben auch Pferde eine Schokoladenseite. Guckt einfach, von welcher Seite oder aus welchem Blickwinkel das Pferd am besten aussieht. Also vor dem Fotografieren erstmal mit kritischem Blick um das Pferd herum laufen.

Natürlich muß z.B. das Halfter oder die Trense etc. auch sauber sein (wenn sie denn mit auf´s Bild soll).

Die Uhrzeit….

Es gibt einfach Uhrzeiten an denen man nicht unbedingt fotografieren sollte. Am besten ist das Licht morgens oder abends. In der Mittagszeit ist das Licht meist sehr „hart“ und sehr hell. Wo viel Licht ist, da sind auch viele Schatten.
Das gilt nicht so sehr im Winter wie im Sommer.
Bei Regen, fies bedecktem Himmel oder ähnlichen Wetterverhältnissen braucht ihr die Kamera praktisch gar nicht auspacken.

Alleine ist´s schwer…

Um z.B. schöne Standfotos von seinem Pferd zu machen, braucht man einfach Hilfe! Alleine wird es schwer das Pferd richtig hinzustellen – es ruhig zu halten – das Pferd dabei aber so aufmerksam zu machen, das es die Ohren spitzt oder zu einem hinguckt – und gleichzeitig die Kamera zu bedienen. Am besten ist´s wenn man wirklich 2 oder sogar 3 (bei Bewegungsbilder) Helfer hat. Einer der das Pferd hält und ggf. im Stand etc. korrigiert und jemanden, der mit der Rascheltüte hinter dem Fotografen steht und „Mätzchen“ für´s Pferdchen macht. Dann kann man relativ entspannt sich der Kamerabedienung widmen.

Bewegungsbilder…

Sind einfach SCHWER!!! (und das sagt sogar eine Gabriele Boiselle).
Klar möchte jeder gerne Fotos von seinem Pferdchen haben, mit fliegenden Hufen und im Wind wallender Mähne… aber das ist wie gesagt nicht ganz einfach. Zuerst sollte dafür eine Wiese / Weide vorhanden sein, die groß (und sauber) und eingezäunt ist.
Bewegungsbilder unter 1/500 sek haben immer „Bewegungsunschärfen“. Auch bei den ganz normalen Kompaktkameras gibt es eigentlich fast immer einen manuellen Modus, wo man die Verschlusszeit einstellen kann (wobei ich bei den Kompaktkameras immer so´n bisschen Bedenken habe, denn die haben eine ziemliche Auslöseverzögerung – also machen das Bild immer erst ne ganze Weile nachdem man den Auslöser gedrückt hat – was natürlich hinderlich bei solchen Bildern ist).
Bei einigen Kompaktkameras gibt es aber auch in der Programmauswahl den Modus „Sport“. Da ist dann automatisch eine kürzere Belichtungszeit hinterlegt. Kann klappen – muß aber nicht.

Bei Bewegungsbildern wird es schwer, den Schärfepunkt auf die Augen des Pferdes zu legen, deswegen versucht man hier den Widerrist zu treffen. Dieser liegt meistens auf der selben Höhe wie die Augen eines laufenden Pferdes und somit in derselben „Schärfeebene“.

Wenn ihr das Pferd auf der Wiese laufen lasst, werdet ihr merken, das das Pferd praktisch immer nur auf einer bestimmten „Bahn“ läuft, die es sich selber „absteckt“ (nicht einfach kreuz und quer). Auf dieser „Bahn“ wird das Pferd immer laufen, wenn es von den Helfern getrieben wird. Dadurch wisst ihr ja immer schon ein bisschen im Vorfeld, wo das Pferd langlaufen wird und ihr könnt euch entsprechend auf die Wiese hocken.
Hier braucht man jetzt wirklich die aktive Hilfe von Helfern, die das Pferd treiben… aber nicht länger als ca. 2 bis 3 Minuten, sonst wird´s dem Pferd auch schnell zu viel.

Dann noch ein bisschen Glück…..


Der Tinker…

Ist wahrlich nicht leicht zu fotografieren – leider :o)

Dadurch das hier zwei Extreme, nämlich weiß und schwarz aufeinandertreffen, hat man fototechnisch gesehen ein Problem. Die Kamera „misst“ in Grautönen und stellt sich eigentlich automatisch je nach der Schattierung des Graus in der Belichtung auf das „Gesehene“ ein. Deswegen sollte man bei einem Tinker immer „Spotmessung“ benutzen. Bei einem weißen Pferd wird die Kamera einen sehr hellen Grauwert messen und wird automatisch bei der Belichtung abdunkeln (um den gewollten Mittelgrauwert) zu erreichen. Bei schwarzen Pferden misst die Kamera einen sehr dunklen Grauwert und wird automatisch die Belichtung heller machen (um den gewollten Mittelgrauwert) zu erreichen.
Weil so ein Tinker aber nun schwarz weiß ist (meistens) misst die Kamera nur das eine (weiß) oder das andere (schwarz) und ein Teil des Pferdes ist somit immer „falsch“ belichtet. Das lässt sich aber auch nicht ändern – hier muß man mit Kompromissen leben können.
Bei einem Tinker mit viel weiß sollte man deswegen ein bisschen überbelichten und bei einem Tinker mit mehr schwarz unterbelichten. Dies kann man im manuellen Modus der Kamera einstellen. Aber nicht zuviel, sonst „überstrahlt“ das weiß oder das schwarz „säuft“ ab.

Am schönsten für die Kamera ist ein mittelbraunes Pferd (Mittelgrauwert) – aber das sind Tinker ja eher seltener :o)


Bildgestaltung…

Vom Prinzip her fotografiert jeder mittig (da ist ja auch der voreingestellte Fokus der Kamera). Man wird aber sehr schnell sehen (wenn man sein Pferd zum 50sten mal auf einer Wiese grasend) mittig fotografiert hat, das das sehr schnell ein wenig langweilig wird und aussieht. Mittig ist nicht gleich gut. Um dem Bild mehr „Spannung“ zu gehen, kann man das Pferd an andere Stellen des Bildes positionieren. Goldener Schnitt (http://www.digitalkamera.de/Tip/20/50.htm).
Dabei sollte man aber immer darauf achten, das man der Blickrichtung des Pferde „Freiraum“ gibt – sonst sieht das Pferd „gequetscht“ aus.
Um Stimmungen „rüberzubringen“ sollte man von der mittigen Stellung des Pferdes im Bild absehen.

Wie das ist – finde ich – auch viel Geschmacksache, deswegen sollte jeder mal munter Fotos machen und gucken, was ihm wirklich am besten gefällt.

Es sollten aber schon Ohren, Schweif und Hufe drauf und nicht abgeschnitten sein.


Pferdefotografie für Fortgeschrittene

Bis jetzt habe ich versucht, viele Fachwörter im Sprachgebrauch der Fotografie nicht zu benutzen... aber für die, die schon ein bisschen Ahnung haben und das Ausbauen wollen, soll ja auch was dabeisein.

Für jeden, der sich mit der Thematik – Optik und Fotografie auseinandersetzen will, dem kann ich das Buch „Der große Fotolehrgang“ von empfehlen. Durch dieses Buch habe auch ich mich gekämpft und dabei viel gelernt.

Ich kann jetzt nicht sagen, stell mal ne Blende von 5,6 ein, dazu ne 1/500sek, Spotmessung und Servo Modus und man hat automatisch ein geiles Bewegungsbild – leider nicht. Es hängt noch einiges vom Licht dem damit benutzten ISO Wert /ASA und der Entfernung zusammen, aber man hat schon mal eine grobe Richtung.

Ich fotografiere Tinker immer im Modus Spotmessung. Das heißt so im Groben, das wirklich der Punkt, auf den man fokussiert von den Grauwerten her gemessen wird. Habe ich einen Tinker mit viel Schwarz dann, dann überlege ich mir im Vorfeld, WO ich die Belichtung messe. Halte ich mich dabei an das Schwarz, dann belichte ich von vorne herein „unter“. Wenn der Tinker dann auch noch eine weiße Blesse hat und die Gefahr besteht, das die Belichtungsmessung bei dem sich bewegenden Pferd schnell in die Blesse verrutschen könnte, bediene ich nach der ersten Messung die Belichtungsspeichertaste und ich bin hier schon ein wenig auf der sichereren Seite.

Wichtig ist auch, das bei den Bewegungsbildern im Serienbildmodus und im AL SERVO fotografiert wird. Durch die Serienbildfunktion kann man je nachdem was die Kamera mitmacht einige Bilder direkt hintereinander machen und dabei die verschiedenen Bewegungsphasen des Pferdes fotografieren.

Der AL SERVO kommt beim Fokussieren einfach schneller hinterher, bzw. „geht auf dem sich bewegenden Objekt mit“ (das ist beim One Shot oder AL Fokus) nicht so.

Wenn das Licht einfach nicht so recht mitmachen will und man trotz kleiner Blendenzahl nicht an kleine Belichtungszeiten heranreicht, dann stell ich den ISO Wert hoch. Dabei sollte man aber den 400 nicht überschreiten, denn dann werden die Bilder sehr pixelig und „rauschen“. Wenn´s aber nicht anders geht, muß man halt in den sauren Apfel beißen.
Die Bilder von der Tinkerquadrille sind z.B. mit einem ISO Wert von über 1600 gemacht – nicht schön, aber ging nicht anders.



Zum Schluß...

Für Anfänger wie Fortgeschrittene gilt aber (wie so oft) – ÜBUNG MACHT DEN MEISTER.

Guckt und probiert einfach, was und wie euch euer Pferd am besten gefällt – meist sind das ja nicht die typischen „Verkaufsbilder oder Züchterbilder“ sondern, die Bilder, die euer Pferd sooo zeigen wie es ist....

Ein Artikel von: Julia Schott


--------------------------------------------------------------------------------------
Anmerkung von Spezialrassen-Online:

In der rechten Leiste könnt ihr tolle Fotografien der Autorin bewundern!



(C) 2005 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken