Zwar gibt es den Dorfsattler von früher nicht mehr, aber der Sattlerberuf ist nicht vom Aussterben bedroht. Für Spezialanfertigungen, Reparaturen und Sonderwünsche bei der Lederbearbeitung ist der Beruf des Sattlers immer noch sehr gefragt.
Sattler schneiden Leder zu, nähen dieses, putzen Leder, punzieren und verzieren Leder usw. Besonders ein Reitsportsattler muss nicht selten viel Kraft und Fingerspitzengefühl haben, wenn es um das Nähen von Brustblättern oder um das Polstern von Sätteln geht.
Ob das wirklich alles zutrifft, wollte „Spezialrassen-Online“ von Gina Schäfer, von Beruf Sattlerin, wissen. Sie betreibt seit November 2005 eine Mobile Sattlerei. Das Unternehmen hat seinen Standort in Hainburg, Landkreis Offenbach im Rhein-Main-Gebiet.
Gina Schäfer ist hauptsächlich im Reitsport tätig und repariert Sättel und Zaumzeug. Ob Western oder Englisch, Reitzubehör ist bei ihr in besten Händen. Am liebsten arbeitet sie vorzugsweise direkt bei ihren Kunde am Stall. Auch Polsterungen von Englischsätteln werden an Ort und Stelle erledigt. Gina hat festgestellt dass sich der größte Teil aller Reparaturen einfach vor Ort erledigen lässt. Der Vorteil für die Kunden: Kein langes Warten auf Sattel oder Zaumzeug. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Großreparaturen sowie Komplettpolsterungen von Englischsätteln nimmt sie mit in ihre Werkstatt.
Vor Ort anzupassen und zu polstern hat natürlich auch Vorteile für das Pferd. Die Sattlerin schaut sich den Sattel auf dem Pferd liegend an. Überprüft dabei Sitz und Schwerpunkt des Sattels, sowie die Kammerweite und ob der Widerrist frei ist. Anschließend formt sie mit Hilfe eines Anpassgitters einen Rückenabdruck des Pferdes. Dieses Gitter wird dann in den Sattel gelegt um zu überprüfen ob es hohl liegende Stellen am Rücken gibt, bzw. Stellen an denen der Sattel punktuell drückt. Sollten am Sattel hohl liegende Stellen festgestellt werden, können diese durch nachpolstern ausgeglichen werden. Druckspitzen werden abgepolstert, um so ein möglichst genau anliegenden Sattel zu bekommen. Ist der Sattel entsprechend gepolstert, sollte vom Kunden möglichst ein Proberitt durchführt werden. Dabei kann überprüft werden ob der Sattel richtig sitzt und ob sich das Pferd in allen Gangarten gut und ohne Einschränkungen bewegen kann. Nach dem Absatteln, gibt der Schweißabdruck auf dem Rücken noch eine Möglichkeit um Sitz und exakte Anpassung zu kontrollieren.
Westernsättel polstert sie nicht auf, das ist Pfuscherei meint die Sattlerin.
Selbstverständlich fertigt Gina Schäfer auch individuelle Lederartikel an. Ledergürteln mit Schrift, mit ausgeschnittenem Hintergrund andersfarbig hinterlegt. Oder Gürtel mit einfacher Randverzierung; odervoll punziert? Alles ist möglich. Ebenso Werkzeugrollen und Satteltaschen für Motorräder, - einfach schwarz, farbig natürlich auch punziert. Besonderer Service für Motorradfahrer: Neubezug des Motorradsattels mit oder ohne Neupolsterung z.B. in Rindleder, Kunstleder, Sonderleder oder auch mit punzierten Motiven.
Auch die Herstellung von Hundehalsbänder, Leinen, Schlüsselanhänger, und Geldbörsen gehört zum Job der Sattlerin.
Spezialrassen-Online wollte von Gina Schäfer wissen wie es dazu kam das sie den Beruf des Sattlers ergriffen hat.
Sie erzählt uns, dass sie eigentlich aus dem Bereich der Orthopädietechnik kommt. Bei der Anpassung und Herstellung von Holzbeinen oder Lederprothesen lernt sie den Naturstoff Leder lieben und schätzen und da sie selbst reitet, war es klar, sie sattelt um und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie begann 1992 im Urlaub mit Englisch reiten. Bis 2002 ritt sie immer wieder mal in Reitschulen, fühlte sich aber nie so richtig wohl. Das änderte sich als sie vor 4 Jahren zufällig den Westernreiter Ron Unger kennen lernte. Sie stieg um auf die Westernreitweise. Ein eigenes Pferd besitzt sie nicht, dafür fehlt ihr die Zeit.
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S.O. stellte Gina Schäfer die Frage, wie oft ein Sattler wirklich mit Pferden zu tun hat?
G.S: „Die größte Zeit verbringt man am Leder bzw. in der Werkstatt anstatt am Pferd und wer wirklich viel mit Pferden zu tun haben möchtet, der sollte besser Bereiter anstatt Sattler werden! Aber Tiere sollte man schön mögen, denn in den meisten Ställen gibt es Hunde und Katzen. Weitere Anforderungen für denjenigen der den Beruf des Sattlers ins Auge fasst, sind: - Interesse an der Verarbeitung von Leder, Kunststoff und Segeltuch sowie an moderner Produktionstechnik - Handwerkliches Geschick - Sinn für Formen und Farben - Gutes Vorstellungsvermögen - Gestalterisches Flair - Körperliche Beweglichkeit - Exaktes Arbeiten - Interesse an Computerarbeit - Zeichnerische Begabung - Exakte Arbeitsweise - Geduld und Ausdauer
Um den Beruf des Sattlers zu erlernen, benötigt man mindestens einen Hauptschulabschluss und sollte gute Leistungen in den Fächern Rechnen und Zeichnen mitbringen und man darf nicht Allergiker sein!“
Wir wollten natürlich von Frau Schäfer auch wissen woran man merkt, dass der Sattel dem Pferd nicht mehr passt.
G.S. „Am sichersten ist natürlich einen Sattler zu rufen und ein Gitter anlegen zu lassen.
Weitere Hinweise können sein – das Pferd biegt sich nicht mehr vernünftig, das Gesicht verzieht sich wenn der Sattel aufgelegt wird. Meistens ist es ein schleichender Prozess. Das Pferd beginnt mit Schweif und Kopf schlagen, es geht nicht mehr vorwärts.“
S.O: Was bedeutet es mit schlecht sitzendem Sattel auf einem Pferd zu sitzen?
Darauf die Antwort von Gina: „Stell dir vor, deine Schuhe eine Nummer kleiner und du musst damit 7 km laufen , kann man, aber tut ziemlich weh. Und auf dem Pferd sitzt ja noch der Reiter.“
S.O.: Ist es möglich das man selbst überprüfen kann, ob ein Sattel passt?
G.S: „Also man überprüft die Sattellage am besten in dem man den Englisch oder Westernsattel aufs Pferd legt, der Widerrist sollte genug Platz haben, auch seitlich.
Die Schulterfreiheit testet man in dem man die Hand an der Seite entlang fährt, klemmt man mit der Hand oder die Hand geht gar nicht durch ist er zu eng.
Man sollte auch den Schwerpunkt überprüfen. Sitzt man zu weit vorne zu weit hinten, stimmt der Schwerpunkt nicht, das bewirkt das der Reiter unkorrekt sitzt und von daher die Hilfen beim Pferd ungenau ankommt.“
Auch wenn der Sattel hinten, wo die Trachten sind, voll aufliegt deutet es darauf hin das er in der Mitte hohl liegt, eine so genannte Luftbrücke.“
Ein Rat der Sattlerin: Sättel sollten 1 x jährlich kontrolliert werden, wenn sie oft gebraucht werden sogar 2 x jährlich. Im Sattel bildet sich nach längerem Gebrauch eine Luftbrücke, die Watte drückt sich zusammen und wird platt, nach einigen Jahren sollte man die Watte im Sattel komplett auswechseln.
Noch ein Tipp für den Neukauf eines Sattels. Beim Englischsattel sollte man auf alle Fälle darauf achten, dass er sich im Kopfeisen verstellen lässt. Auch wenn man sich für ein neues Pferd einen Sattel kauft, sollte man darauf schauen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass man das gleiche Training wie der Vorbesitzer mit dem Pferd absolviert. Die Muskeln werden sich bestimmt verändern, entweder mehr oder weniger werden.
Auch sollte man vermeiden mit jemand anderen den Sattel zu tauschen, Dafür ist der Pferderücken zu individuell, denn welche Reiter tauscht schon seine Schuhe mit jemanden anderen.
Zur Behandlung eines Sattel und zu Lagerung gibt Gina Schäfer auch noch einen Tipp:
Sättel nie feucht lagern. Die Satteldecke bzw. Pad immer separat lagern. Auch der , Bauchgurt. Schweiß macht das Leder kaputt. Leder sollte regelmäßig mit Sattelseife sauber gemacht werden, danach einfetten wobei es egal ist ob mit Öl oder Fett.
Natürlich fragen wir Gina auch nach ihrer Meinung über baumlose Sättel. Aber um über einen Baumlosen Sattel irgend etwas zu sagen, fehlt ihrer Meinung nach die Langzeiterfahrung. Sie findet sie aber ziemlich teuer, für das Geld könnte man auch einen richtigen Ledersattel kaufen. Wenn man sich wirklich für einen baumlosen entscheidet, sollte man vorher mit einen Physiotherapeut, Tierarzt oder Osteopathen abklären ob das Tier auch dafür geeignet ist. Wenn das Tier schon Rückenprobleme hat, sollte man im Vorfeld abklären, dass ein baumloser keine Probleme mit sich bringt.
Wir bedanken uns bei Frau Schäfer für das Interview und wünschen Ihr für die „Mobile Sattlerei“ alles Gute und viele Aufträge. Die Idee finden wir auf alle Fälle ausbaufähig. Um die moralische Unterstützung braucht sich Gina Schäfer jedenfalls keine Gedanken zu machen, die bekommt sie von ihrem Lebensgefährten, der hat zwar keinen Bezug zu Pferden, aber er hilft schon mal beim Nieten der Ledersachen.
Fotos bekommen wir von Gina Schäfer auch. Hier möchten wir uns, auch im Namen von Gina Schäfer bei Frau Blüthgen für die zur Verfügung Stellung ihres Pferdes Raaki bei der Gitteranpassung, bedanken. www.sattlerei-mobil.de
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